Haussperling – Spatz im Garten

Haussperling / Spatz – Passer domesticus – Vogel des Jahres 2002

#rettetunserevögel – Aktion zum Schutz unserer Vögel – Initiiert durch Ralf Becker von mein-naturgarten.de

Der Haussperling ist der bekannteste Vogel, der in unseren Gärten sein Zuhause findet. Auf der aktuellen Liste der verbreitesten Vögel in Deutschland ist er von Platz 3 auf auf Platz 5 abgerutscht.

Haussperling

Haussperling beim Baden

Heute zählt Deutschland etwa 5 Mio. Brutpaare. Aber dem kleinen Spatzen geht es an den Kragen. Sein Bestand verringert sich von Jahr zu Jahr. Ein Grund sind unsere energetisch abgesicherten Häuser und der Verlust von alten Bauernkaten. Jeder Spalt zwischen Dachpfanne und Haus wird zugedeckt und so dem Haussperling die Chance zum Brüten genommen.

Mein Motto: Mehr Platz für den Spatz!

Wir sind im Jahr 2021 in unser gekauftes Haus auf dem Land gezogen. Das Haus ist einige Jahre vorher kernsaniert worden. Aber an einigen Stellen konnten die Spatzen Nischen in der Dachhaut zwischen den Dachpfannen finden. Von anfänglich 8 Spatzen hat sich in drei Jahren eine Spatzenkolonie von 30 Spatzen aufgebaut. Ich habe die Sperren an den Dachpfannen entfernt und zusätzlich neun Nistkästen für die Haussperlinge an der Wand in fünf Meter Höhe aufgehangen.

Vielleicht vergrößert sich die Kolonie in kurzer Zeit auf über 50 Haussperlinge. Bei mir sind sie alle willkommen.

Der Spatz hatte es nicht immer leicht

 

Seit 10.000 Jahren ist der Spatz der tägliche Begleiter des Menschen. Aber dieser war ihm nicht immer gut gesonnen. König Friedrich II. von Preußen erließ ein Kopfgeld von sechs Pfennigen auf jeden getöteten Spatz. Und warum? Weil diese ihm seine geliebten Kirschen vor der Nase wegfraßen. Der König hatte nicht mit solch einer Treibjagd gerechnet. Die Staatskasse musste Tausende Taler an die Bürger auszahlen. Ich möchte dies gar nicht in Kopfprämien an Spatzen umrechnen. Aber der König hatte nicht mit der Rache der Natur gerechnet: Kaum waren die Spatzen erschlagen, machten sich die Insekten und Raupen über seine Kirschbäume her und Preußen musste Kirschen importieren. Alsbald widerrief Friedrich sein Hatz auf Spatzen. Die Population erholte sich, die Staatskasse füllte sich und der König genoss wieder die Kirschen in den königlichen Gärten.

Spatzenmord in China

 

Leider hatte Mao Tse-tung wohl nichts vom König Friedrich gehört. sonst hätte er wohl anders reagiert. Nicht nur, dass während der Revolution ein großes Massaker unter Menschen stattgefunden hat, auch der Spatz überlebte nur mit Mühe und Not diese Zeit. Während der Revolution kam es zu Hungersnöten in der Bevölkerung. Da dies auf keinen Fall die Schuld der Partei und Revolutionäre sein konnte, hatte man schnell einen Verursacher für Missernten gefunden: den Spatz. 1957 ordnete Mao an, dass der Agrarfeind Nr. 1 der Haussperling sei. Sofort machten sich die über 500 Millionen Chinesen daran, Spatzen zu jagen.

2,5 Mrd. Spatzen in nur drei Tagen getötet

Spatz

Spatz

In nur drei Tagen knüppelten sie 2,5 Mrd. Spatzen nieder – eine grauenvolle Tat! Und perfide dazu: da man ihnen in der Luft nicht habhaft werden konnte, scheuchte man sie so lange hoch, bis sie erschöpft zu Boden sanken und fanden dann den Tod durch den Knüppel. Aber die Natur rächte sich. Die Spatzen waren tot – die Insekten vermehrten sich zu Milliarden und frassen die Ernten leer. So verhungerten Millionen von Menschen und erst nach Maos Tod unternahm die chinesische Regierung Anstrengungen, den Spatz wieder als Nützling anzuerkennen und anzusiedeln.

Auch in der neuen Bundesrepublik scheute die Regierung nicht davor zurück, den Spatzen als Verursacher der Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg auszumachen. Durch vergifteten Weizen kamen Millionen von Hausperlingen qualvoll zu Tode.

Heute verliert der Spatz den indirekten Kampf

 

Der Haussperling – auch Spatz genannt – ist in seiner Art (noch) nicht gefährdet. Es brüten in Deutschland rund 5 Mio. Brutpaare. Aber sein Bestand geht zurück und es droht ihm das Schicksal wie so vielen anderen Vogelarten: die Rote Liste. Heute verliert der Spatz nicht mehr durch Jagd und üble Ermordung sein Leben, er verliert den Kampf gegen Insektizide und das Insektensterben. In unserer Agrawüste ist kein Platz für Schädlinge oder Beikraut. In den riesiegen Agrarflächen außerhalb der Biolandwirtschaft werden Millionen von Tonnen an Insektiziden und Herbiziden ausgebracht.

Was soll der Spatz nun seinem Nachwuchs an Futter reichen? Diese sind zwingend auf Insekten angewiesen.

Haussperlinge folgen gerne dem Menschen und seinen Behausungen auf denen er brütet. Jedoch werden Dachzwischenräume oder Spalten in Dachpfannen vehement verschlossen. Die Spatzen lieben es, in diesen Öffnungen ihre Nester anzulegen. Dort fühlen sie sich geschützt. Wenn diese Zugänge verschlossen werden, fehlt es den Spatzen an Nistmöglichkeiten. Leider werden wenige Nistkästen für unsere Haussperlinge in Gärten oder an Häusern angebracht.

Dabei richten die Spatzen keinen Schaden an. Sie bauen ein eher dürftiges Nest.

Wenn du ein Haus besitzt und die Zugänge unter deinen Dachpfannen mit Draht oder anderen Vorkehrungen für Vögel gesperrt hast, öffne sie wieder und die Haussperlinge werden bei dir einziehen. Reiche ihnen das ganze Jahr über ein Futterangebot und du wirst dich an bis zu 40 Haussperlingen erfreuen können. Als Überwinterungsvogel in unseren Breiten benötigt der Sperling das ganze Jahr über ein Futterangebot an derselben Stelle. Daher ist die Fütterung im Winter auch unabdingbar.

Du kannst ihnen auch mit einer „Badewanne“ – einer flachen Schüssel mit sehr feinem Sand – eine Freude bereiten. Die Haussperlinge lieben es, im Sand oder sehr trockener Erde zu baden.

Der Name Spatz

 

Der Name Spatz leitet sich vom Althochdeutsch ab. Für Verkleinerung eines Namens oder einer Sache wurden Wörter verkürzt und ein „z“ angehangen. Aus Sperling wurde Spatz, aus Heinrich wurde Heinz.

Spatz

Spatz Nestbau

Der Spatz kommt in einigen Redewendungen vor: „das Pfeifen die Spatzen von den Dächern„. Als bei den Menschen nah wohnender Vogel, bekam dieser alle „Schandtaten“ des Hausbesitzers mit. Bei Störungen der Spatzengruppe sitzen sie dann oft laut piepend zusammen und „pfeifen“ die neuesten Geschichten von den Dächern.

„Du isst wie ein Spatz“ – wenn kleine Kinder nicht viel essen wollen, dann hören sie oft diese Redewendung.

Bitte nicht übertreiben: „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“

Sei genügsam: „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ – der Spatz ist klein und niedlich. Die Taube dagegen deutlich größer. Du sollst dich also mit dem zufriedengeben, was du hast.

Weniger bekannt: „Dann sind ja alle Spatzen gefangen“ – sprich, es ist alles erledigt. Auch heute nicht mehr so bekannt: „Du hast wohl Spatzen unterm Hut“ – so wurden Personen angesprochen, die ihren Hut zu gegebenen Anlässen nicht abnahmen.

Als Kosename wird der „Spatz“ oft gebraucht, was ihn überaus sympathisch macht. „Mein kleiner Spatz oder Spatzilein„. Aber auch als Schmipfwort wird der kleine Spatz missbraucht: „Muskelprotz mit Spatzenhirn“ – was dem kleinen gefiederten Freund nicht gerecht wird.

Aus seiner Vorliebe für das Sandbaden ist das Wort „Dreckspatz“ abgeleitet.

Der Haussperling – Fakten und Informationen

 

Größe Länge: 15 cm, Gewicht: 25 – 35 gr, Flügelspannweite: 21-26 cm

Alter: Haussperlinge werden max, 6 Jahre alt – eher 3 Jahre. Das Alter hängt auch stark von der Futtersituation ab. So erreichen Haussperlinge, die in einer eher städtischen Region leben, ein höheres Alter wie ihre eher wild lebenden Kollegen, die deutlich mehr Fressfeinden ausgesetzt sind.

Aussehen: Männchen mit grauer Kappe, schwarzem Kinn und grauer Unterseite, Flügel, Flügel braun, beige, schwarz gefärbt; Weibchen: Streifen hinter dem Auge, Unterseite eher beigebraun

Vorkommen: ganz Europa (ausgenommen Island und Hochgebirge)

Lebensraum: als Kulturfolger sehr menschennah, in Parks und Gärten, aber auch in Dörfern und Städten

Haussperlinge

Haussperlinge

Nahrung: als Allesfresser ist der Haussperling nicht so wählerisch: Samen, Insekten (Läuse etc.), Früchte, Beeren. Er sucht auch gerne den Boden unter einer Futterstation nach Nahrung ab. Die Jungen werden mit Läusen, Insekten und kleinen Raupen gefüttert.

Bis zu 18 Jungvögel im Jahr: fleißiger Haussperling

 

Brut: Der Haussperling ist ein Dach-/Hausbrüter. Er sucht sich gerne die Ritzen unter den Dachtraufen und richtet ein eher bescheidenes Nest ein. Aber auch an begrünten Hauswänden oder in sehr dichten Hecken baut er sein Nest, am liebsten in Höhen von 6 – 10 Meter. Mit dem Start in den Frühling ab April beginnt die Brut, die sich im Jahr auch auf zwei bis drei Brutfolgen ausdehnen kann. Im Nest werden vier bis sechs Eier gelegt, die 13 Tage gebrütet werden. Die kleinen Spatzen verweilen etwa 14 – 17 Tage im Nest, bis sie flügge sind und die Welt erkunden. Allerdings überleben nur 20% der kleinen Vogelkinder das erste Jahr. Entscheidend ist hier die Umgebung. Sind die kleinen Spätzchen direkt dem Straßenverkehr oder wilden Katzen ausgesetzt? Oder leben sie eher ländlich ruhig und haben genug Versteckmöglichkeiten?

Umgebung: Damit sich der Haussperling in deiner Umgebung wohlfühlt, sind dichte Hecken oder ganzjährig dicht begrünte Büsche nötig. Der Haussperling ist ein Gruppenvogel und fühlt sich in der Gemeinschaft wohl. Er badet gerne, auch in weichem Sand oder Staub.

Nistmöglichkeiten: Es werden im Handel spezielle NIstkästen für Sperlinge angeboten. Bitte beachte, dass die Spatzen gerne in Gemeinschaft brüten. Biete ihnen besser mehrere Nistmöglichkeiten an – eine Art Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen.

TIPP: Du kannst in deiner Vogelfutterstation ab April auch Mehlwürmer anbieten. Bei getrockneten Mehlwürmern bitte vor Einbrigung in die Futterstaion 30 Minuten im Wasser befeuchten. Die natürlichen Insekten haben Feuchtigkeit in sich, die trockenen Mehlwürmer nicht. Die Folge: der Nachwuchs kann bei Fütterung der Trockenwürmer von innen verdursten. Daher immer anfeuchten. Gerne werden auch Samen aufgenommen.

Haussperlinge kannst du ansiedeln

 

Wenn du einige der Tipps und Anforderungen an ein gutes Leben für Haussperlinge umsetzt, wirst du sicher bald Freude an einer großen Spatzen-Kolonie haben. Sie bereichern den Tag im Garten, wenn sie lustg zwitschernd ums Haus fliegen.

Spatzen

Spatzen

 

 

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