#rettetunserevögel – Vogelsterben 5: Die Jagd auf Vögel

 

Vogeljagd

Jagd auf Vögel

Bei der Recherche zum Thema Vogelsterben war ich zutiefst erschrocken, wie ich diese Zahl gesehen habe: laut einer Studie des Komitees gegen den Vogelmord werden in der EU jedes Jahr über 50 Mio. Vögel ermordet – LEGAL! Die Schätzungen gehen aber auf bis zu 200 Mio. Vögel, die illegal gefangen oder getötet werden.

Hier: AKTUELLE Infos zur Vogeljagd

In Europa stehen die folgenden Länder an der Spitze im Bereich Vogelmord durch Jagd:

 

  1. Frankreich – 17,6 Mio. getöte Vögel
  2. Spanien – 11,9 Mio. getötete Vögel
  3. Italien – 3,7 Mio. getötete Vögel
  4. Zypern – 3,7 Mio. getötete Vögel
  5. Dänemark – 2 Mio. getötete Vögel
  6. Portugal – 1,5 Mio. getötete Vögel
  7. Finnland – 1,2 Mio. getötete Vögel
  8. Rumänien – 1,2 Mio. getötete Vögel
  9. Deutschland – 1,1 Mio. getötete Vögel
  10. Belgien – 1 Mio. getötete Vögel

Auch in Deutschland verlieren jedes Jahr über 1 Mio. Vögel durch Jagd ihr Leben.

Es zeichnet sich noch ein anderes Bild ab, wenn man sich die Dichte der Jäger pro Quadratkilometer in den Ländern Europas anschaut:

 

  1. Malta: 35 Jäger/km² (11.000 Jäger bei 530.000 Einwohner = 2,07% der Bevölkerung)
  2. Irland: 4,98 Jäger/km² (350.000 Jäger bei 5,1 Mio. Einwohner = 6,86% der Bevölkerung)
  3. Zypern: 4,56 Jäger/km² (42.000 Jäger bei 1,2 Mio. Einwohner = 3,5% der Bevölkerung)
  4. Dänemark: 4,15 Jäger/km² (178.000 Jäger bei 5,9 Mio. Einwohner = 3,0% der Bevölkerung)
  5. Vereinigtes Königreich: 3,04 Jäger/km² (800.000 Jäger bei 67 Mio. Einwohner = 1,19% der Bevölkerung)
  6. Italien: 2,29 Jäger/km² (689.000 Jäger bei 59 Mio. Einwohner = 1,16 % der Bevölkerung)
  7. Frankreich: 1,94 Jäger/km² (1,25 Mio. Jäger bei 68 Mio. Einwohner = 1,83% der Bevölkerung)
  8. Spanien: 1,79 Jäger/km² (906.000 Jäger bei 48 Mio. Einwohner = 1,88% der Bevölkerung)
  9. Österreich: 1,47 Jäger/km² (123.000 Jäger bei 9 Mio. Einwohner = 1,36% der Bevölkerung)
  10. Griechenland: 1,32 Jäger/km² (174.000 Jäger bei 10 Mio. Einwohner = 1,74% der Bevölkerung)

Interessant ist Rumänien. Dort ist die Zahl an Jägern mit 0,25 Jäger/km² am niedrigsten. In absoluten Abschusszahlen liegt Rumänien aber an Platz acht. Ein Indiz, wie viele Vögel hier pro Jäger geschossen werden. In Deutschland liegt die Quote bei 1,05 Jäger/km² bei 374.000 registrierten Jägern (0,45% der Bevölkerung)

Unsere Rettungsmaßnahmen werden regelrecht abgeschossen

 

Feldlerche

Feldlerche

In Deutschland bemühen wir uns durch strengen Naturschutz, die Vögel auf der Roten Liste vor dem Aussterben zu schützen. Darunter auch die Feldlerche oder der Kiebitz, deren Bestände sich bei uns um mehr als 90% reduziert haben. Während wir durch Rentaurierungen versuchen, die Bestände dieser selten gewordenen Agrarvögel zu erhalten udn auszubauen, werden in Frankreich und Südeuropa jedes Jahr über 2,5 Mio. Feldlerchen bei ihrem Zug in die WInterquartiere erschossen oder gefangen. Dies macht unsere Bemühungen fast zunichte.

In den vergangenen 30 Jahren wurden in Europa über 100 Mio. Turteltauben erschossen. Der Bestand ging im gleichen Zeitraum bei uns um 80 % zurück.

In Frankreich wehrt man sich bis heute, die Vogelschutzrichtlinie der EU aus dem Jahr 1979! in nationales Gesetz umzuwandeln. Hier ist es den 1,3 Mio. Jägern, die ihr Jagdrecht für Jedermann in der Französischen Revolution erstritten haben, unverändert erlaubt, Zugvögel zu jagen und abzuschießen. Dabei werden auch weiterhin unbarmherzige – aber vom Staat als legal anerkannte – Fangmethoden wie Leimruten oder Rosshaarschlingen eingesetzt. Ein Todesurteil für über 17 Mio. Vögel Jahr für Jahr.

Schlimm ist die Lage auch in den südlichen Inseln von Griechenland, Zypern oder Malta. Auf der Halbinsel Keri (Griechenland) wurden im Frühjahr 2024 tausende Turteltauben illegal abgeschossen. Auf Malta ist es ähnlich grausam.

Aber auch unser Land ist überhaupt nicht frei von Schuld. Es ist unfassbar, dass selbst in geschützten Bereichen oder auch während der Brutsaison Vögel geschossen werden dürfen. So fallen während der Brutzeit Hunderttausende Weibchen dem Jagdtod zum Opfer und die geschlüpfte Brut muss verhungern. Noch immer werden fadenscheinige Gründe von Jägern angeführt: Der Kormoran oder Graureiher würde die Fischbestände wegfressen. Die Feuchtgebiete werden in unserem Land immer weiter ausgetrocknet oder zugeschüttet, um Ackerland oder Bauland zu gewinnen. Die Vögel, die in diesen Feuchtgebieten auf Nahrungssuche waren, werden immer weiter auf andere Gebiete – auch Fischgewässer – verdrängt. Schuld ist somit nicht der Vogel, sondern der Mensch.

Auch durch Unkenntnis und Dummheit schießen in unserem Land viele Jäger auf geschützte Gänsearten, die hier den Winter verbringen und im Frühjahr nach Skandinavien ziehen. So fliegt die Zwerggans oft mit anderen Großgänsen auf ihrem Weg gen Norden mit und fällt beim Flug mit den Gänsen unwissenden Jägern zum Opfer.

Jagd mit bleihaltiger Schrotmunition auf Vögel

 

Nicht nur, dass viele geschützte Vögel ermordet werden: es wird ihnen auch noch mit bleihaltiger Schrotmunition nachgegangen. Dabei sterben die Vögel durch Unfähigkeit der Jäger nicht sofort an den Einschüssen der Schrotkugeln. Sie verenden später an ihren Verletzungen oder durch eine Bleivergiftung. Schlimmer noch: die geschwächten, im Sterben befindlichen Vögel, werden von anderen Tieren wie größeren Vogelarten oder Wildtieren gefressen. Damit vergiften diese sich ebenfalls an den durch Blei vergifteten, angeschossenen Vögeln.

Enten

Enten

Wusstest du, dass bis zu 50 % der Wildenten und Wildgänse (lt. dänischer Biologen) mit einer bleihaltigen Schussverletzung im Körper leben? Die Verletzung mag heilen, das Blei führt aber zu Störungen des Nervensystems und zum Teil zu einem qualvollen Tod der Tiere.

Gerade bei Adlern ist die Auswirkung immens. Diese leben zwar lange, brüten jedoch weniger wie Singvögel. Nach einer Studie der Universität von Cambridge ist der Bestand an Adlern heute aufgrund von Bleivergiftung um 14 % vermindert. Auch unsere Böden und Gewässer leiden sehr stark durch die Bleivergiftung von abgeschossener bleihaltiger Munition. Immerhin wurde die Nutzung dieser grausamen Munition in Wassernähe verboten. In den Niederlanden und Dänemark ist Bleimunition bereits gänzlich verboten. In Großbritannien jedoch werden noch heute fast alle Fasane mit Bleimunition abgeschossen oder verletzt.

Fasane werden als Jagdtrophäen gezüchtet

 

Fasan

Fasan

In Fasanerien werden in unwürdigen Haltungen hunderte von Fasanen gezüchtet und vor der Jagd freigelassen. Die Vögel erfreuen sich ihrer Freiheit, um dann von den „Beschützern unserer Natur“ abgeschossen zu werden. Der Fasan ist ein bei uns nicht heimischer Vogel und kann sich nur durch die Freilassungen für die Jagd bei uns ausdehnen. Immerhin gehen die bejagden Vögel seit 20 Jahren kontiniierlich zurück. So wurden in NRW im Jahr 2000 noch 144.000 Fasane erschossen, während die Zahl im Jahr 2017 auf 29.000 zurück gegangen ist. Auch Enten werden extra für die Jagd gezüchtet und auf die Jäger aus reiner Lust am Töten losgelassen.

 

Auch in Deutschland werden Vögel gejagt und gefangen

 

Wir müssen uns von Traditionen verabschieden. Im Ruhrgebiet hielten sich zu Zeiten der Kohleförderung viele Bergleute in kleinen oder größeren Volieren Finken jeder Art. Die Bergleute führten unter Tage einen Kanarienvogel in einem Käfig als Lebensretter mit sich. In den Bergwerksstollen konnte sich geruchsloses Kohlenmonoxid sammeln. Bei längerem Einatmen führt es zur Bewusstlosigkeit und zum Tod. Der Mensch sammelt in seiner Lunge verbrauchte und frische Luft. Der Sauerstoff wird über die Blutbahn transportiert und an die Organe abgegeben. Menschen können über einen längeren Zeitraum Kohlenmonoxid aufnehmen, ohne es zu bemerken. Ein Vogel nimmt in seiner Lunge nur frische Luft auf. Atmet der Kanarienvogel zwei Minuten Kohlenmonoxid ein, fällt er bereits bewusstlos von der Stange. Dann hieß es für die Bergleute: raus aus dem Bergwerk.

Kanarienvogel

Kanarienvogel

Zum Ausgleich hielten sich viele Bergleute – und das bis heute – Wildvögel wie Distel- oder Grünfinken in Volieren oder Käfigen. Zwar ist die Haltung heute verboten, aber die Finken werden illegal gefangen und unter der Hand verkauft. Zur Auffrischung der Blutbahn werden viele Finken in freier Wildbahn gefangen und zur Zucht in Volieren eingesetzt. Sie fristen ein artfremdes Leben. Der Bergbau wurde 2018 in Bottrop endgültig eingestellt. Wir müssen uns von der Tradition der Vogelhaltung von Wildvögeln ebenfalls verabschieden. Denken wir an ein besseres Leben dieser Vögel und erfreuen uns an dem Gesang in Freiheit.

Die Jagd beschleunigt das Vogelsterben

 

Ich bin schockiert, da ich nicht mit solchen Dimensionen in der Vogeljagd gerechnet habe. Wo bleibt hier der Aufschrei?

Durch Windräder kommen in Deutschland „nur“ rund 100.000 Vögel ums Leben, aber die Lobby gegen unsere Energie der Zukunft ist weit höher als gegen die sinnlose Jagd auf Vögel. Natürlich sind 100.000 Vögel und darunter viele Greifvögel zu viele tote Vögel. In Deutschland werden jedoch zehnmal mehr Vögel erschossen, als durch die Rotorblätter der Windräder zu Tode kommen.

Es gibt aber auch Hoffnung gegen die Jagd auf Vögel

 

In vielen südlichen Ländern formiert sich Widerstand gegen die schreckliche Vogelhetze. Besonders junge Menschen lehnen die grausame Art der Jagd ab und wehren sich beispielsweise in Zugvögelcamps gegen das Abschlachten von schlafenden Zugvögeln auf Malta. Zwar verbietet die Regierung in Malta als EU-Mitglied offiziell in vielen Bereichen die Vogeljagd. Aber 11.000 Jägern stehen zehn Kontrolleure gegenüber. Eine unlösbare Aufgabe. Zudem gibt es in keinem anderen Land der Welt eine höhere Dichte an Jägern. Die unbebauten Gebiete auf Malta sind voller Vogelfanganlagen. Die maltesische Regierung erlaubt die Jagd auf Drosseln, Stare und verschiedene Wasservögel. Die Wilderei ist auf Malta das große Drama. Es werden zahlreiche Störche und Greifvögel geschossen – als reine Trophäe. Grausam! Dazu werden von der maltesischen Regierung zahlreiche Ausnahmegenehmigungen zu der verbotenen Frühlingsjagd erteilt. Malta ist nur 360 qkm groß und dient den Zugvögeln auf dem Weg Richtung Süden als Rastplatz.

Die Öffentlichkeitsarbeit durch den NABU oder andere Vogelschutzakteure wie z.B. dem Komitee gegen den Vogelmord hat ein Umdenken in den südlichen Ländern in Gang gesetzt. Bis es wirklich in den Köpfen der Jäger angekommen ist, wird es wohl noch eine Generation benötigen.

Es ist ein Hoffnungsschimmer für unsere bedrohte Vogelwelt – hoffentlich nicht zu spät für manche Arten.

Jagdverbot auf eurem Grundstück

Wenn ihr ein Grundstück besitzt und auf eurem Grundstück keine Jagd dulden möchtet, könnt ihr einen Antrag auf Verbot der Jagd bei der Unteren Jagdbehörde stellen, dass euer Grundstück aus ethischen Gründen nicht bejagd werden darf. Weitere Infos dazu: Jagdverbot. Die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft verößt gegen das Menschenrecht, wenn der Grundstückseigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt. Seit 2013 ist auf Antrag eine Jagd auf dem eigenen Grundstück untersagbar.

Die Jagd ist nicht der Hauptgrund für das Vogelsterben, aber er beschleunigt selbiges. Und das sollte uns allen zu denken geben.

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