#rettetunserevögel – Vogeltod 1: Intensive Landwirtschaft / Pestizide und Herbizide

Intensive Landwirtaschaft

Intensive Landwirtaschaft

 

Die Hauptursache für das massive Vogelsterben ist unsere intensive Landwirtschaft, die immer industrieller geführt wird. Seit Jahrtausenden gibt es in unseren Regionen bereits Landwirtschaft. Die Menschen waren auf eine intakte Natur angewiesen. Es gab keine Pestizide oder Insektizide. Die Bauern bewirtschafteten kleinere Flächen, derer sie selbst handhaben konnten. Zum Nachbarn wurden Hecken gepflanzt. Die Vögel fraßen im Sommer die Schädlinge im Feld und die Bauern hatten gute Ernten.

Natürliche Ackerflächen

Natürliche Ackerflächen

Die gute alte Zeit, die so noch bis zu den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ein gutes Miteinander von Natur und Landwirtschaft (darunter auch Forst- und Wasserwirtschaft) brachte, ist längst vorbei.

Mit der verstärkten Indutriealisierung und der Bevölkerungszunahme wandelte sich die Landwirtschaft vom Erhalter der Arten zum Vernichter von zahlreichen Arten – darunter den Agrarvögel.

Bauern müssen aufgeben

 

Was hat sich nun in den letzten Jahren so massiv geändert, das solche Auswirkungen auf unsere Vogelwelt hat?

Zahlreiche Bauern mit kleinen Äckern ringsum ihre Höfe, mussten in den letzten Jahrzehnten aufgeben. 1950 gab es noch über 4,5 Mio. landwirtschaftliche Betriebe – oft Kleinstbetriebe mit verschiedenen Äckern auch an unterschiedlichen Lagen. Heute hat Deutschland nur noch 250.000 Landwirtschaftsbetriebe. Aber der Hunger nach Tierfutter für unseren gestiegenen Wohlstand steigert sich von Jahr zu Jahr.

Von 1950 bis 2023 erhöhte sich die von einem Landwirt bearbeitete Fläche von 2,9 ha auf 16,5 ha. Die noch vebliebenen Landwirte „beackern“ heute also eine acht mal höhere Fläche wie noch vor 70 Jahren.

Auch die Zahl der Verbraucher, die jeder Bauer ernährt, änderte sich rapide: 1950 ernährte jeder Bauer acht Verbraucher, heute sind es 139 – mit steigender Tendenz.

Landwirtschaft früher und heute

Landwirtschaft früher und heute

Durch die Aufgabe von landwirtschaftlichen Kleinbetrieben, werden die verbliebenen Flächen von andern Großbetrieben zusammengelegt. Mit der Landbereinigung verschwinden auch die lebensnotwendigen Hecken und Brachflächen für unsere Wildvögel. Auf riesigen Ackerflächen werden heute fast nur noch drei Sorten angebaut: Winterweizen, Mais und Raps. Der Hunger nach Fleisch und der vermeintliche Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg (jeden Tag Fleisch auf den Tisch) zwang auch die Bauern nach immer größeren Tierbeständen. Aber diese große Zahl an Tieren benötigt Futter. Und dazu wird vermehrt Mais angebaut. Und das kann der Bauer nur noch industriell über riesige Mono-Ackerflächen wachsen lassen.

Weiteres Problem: häufige Mahd fördert das Vogelsterben

Noch vor 70 Jahren wurden Wiesen nur zweimal jährlich gemäht. Während der Zeit zwischen der Mahd hatten die Wildvögel genug Zeit, ihre Jungen auszubrüten und groß zu ziehen. Heute werden Wiesen schon bis zu fünfmal im Jahr gemäht und zu deutlich früheren Zeiten im Jahr. Das Rebhuhn oder der Kiebitz haben so keine Möglichkeit, in Ruhe zu nisten und die Jungvögel aufzuziehen. Häufig werden die Nester brutal nieder gemäht.

Ein Teufelskreis: Der Schutz für die brütenden Wildvögel geht völlig verloren.

Wie sollen unsere Wildvögel in der intensiven Landwirtschaft überleben?

Rebhuhn

Rebhuhn

 

Wer mit offenen Augen durch Teile Deutschlands fährt, wird sich wundern, dass auf dem Land zum Teil weniger Vögel als in städtischen Bereichen zu finden sind. Wo sollen Kiebitze oder das Rebhuhn auf den zig Hektar großen Agrarflächen mit Getreide oder Mais ihre Brut aufziehen? Mais, eine für die Tierwelt außer gehäckselt zum Fressen, unbrauchbare Pflanze, zieht sich kilometerweit über Äcker. Dort können keine Insekten, Bienen oder Vögel überleben.

Sie verhungern regelrecht.

Mais

Mais

Den größten Verlust unter den Vogelarten müssen wir bei den Offenlandvögeln wie Rebhuhn, Kiebitze aber auch Stare hinnehmen. Seit einigen Jahren erfährt die Landwirtschaft in Deutschland einer großen Veränderung. So geht seit 2007 die Brachlandschaft (stillgelegte Ackerflächen) dramatisch zurück. Rückzugsorte für unsere Wiesen- und Ackervögel werden systematisch zerstört.

Durch den Krieg in der Ukraine und den vermuteten Weizenmangel, hat sich die Situation dramatisch verschärft. Ehemalige Anordnungen zu Zwangsbrachflächen wurden zugunsten des Weizenanbaus gelockert oder aufgehoben.

Der Lebensraum für die am stärksten gefährdeten Vogelarten wie Rebhuhn oder Kiebitz wird unvermindert weiter zerstört. Ein Todesspirale für diese Vögel.

 

Pestizide und Herbizide in der Landwirtschaft – Vogelsterben Nr. 1

 

Pestizide

Pestizide

Es reicht nicht, dass wir den Lebensraum für unsere Wildvögel durch unseren gesteigerten Konsum immer mehr zestören. Nein, wir vergiften den verbliebenen Raum auch noch mit Pestiziden und Herbiziden. Auf das kein Insekt, kein Schädling und bloss kein Unkraut zwischen den kilometerlangen Mais- und Weizenfeldern übrig bleiben möge.

Unsere Vögel sind auf Insekten zur Fütterung an ihre jungen Piepmätze angwiesen. Auch wenn Spatzen oder Meisen im Sommer durchaus Samen und Körner fressen, muss die Brut mit der eiweißhaltigen Nahrung, den Insekten, gefüttert werden. Wir haben in einigen Gebieten bereits 75% unserer Insekten verloren – das ist dramatisch!

Kiebitz

Kiebitz

 

Wann hast du das letzte Weizenfeld durchsetzt mit blauen Kornblumen gesehen? Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir nach der Schule an den blau durchsetzten Weizenfeldern vorbei gingen und einen Strauß für die Mütter gepflückt haben. Nach wenigen Minuten war die Hand voll mit Kornblumen. Heute wird alles, was nicht Weizen ist, ausgemertzt und im Keim erstickt. Der Profit zählt.

Die Auswirkungen sind verheerend. Durch das massive Insektensterben verlieren wir eine große Zahl an Jungvögeln.

Weitere Infos dazu: > Vogelsterben durch fehlende Insekten